Freitag, Februar 2

Die Therme

Ich habe ein Gespenst in der Wohnung. Nein, es handelt sich nicht um mich - auch wenn ich morgens sicher manchmal so aussehe. Nein, auch nicht um die Geister der sechs Zimmerpflanzen, die hier schon verendet sind. Und erst recht nicht um ein weißes Bettlaken. Ich meine die Gastherme. Die ist unheimlich. Ständig fängt sie an zu spucken, zündet Feuer, röhrt durch die Heizungsrohre in meinem Zimmer. Und dann dieses Knacken, Puckern und Knallen. Ist es das Wasser im Kessel, das kocht? Oder der Staub, der verbrennt? Was hat das nur zu bedeuten? Es ist schlimm. Und das Schlimmste ist, dass sie trotz hingebungsvoller Pflege von Seiten der Firma Domke und Thormann immer noch auf ungeklärte Art und Weise Wasser verliert. Wo das bleibt ist ebenfalls nicht ersichtlich. Eins steht aber fest: Die Dame hat ein Eigenleben. Wenn sie beleidigt ist, verzichtet sie auch schon mal darauf, das Wasser für die Dusche zu erwärmen. Zumindest vermute ich, sie ist beleidigt. An ihrem Alter kann es eigentlich nicht liegen. Das ist das neueste Modell, versicherte mir einmal der Fachmann. Das neueste Modell vor zehn Jahren, versteht sich. Aber dann ist sie auch wieder so liebevoll und erwärmt uns das triste, kühle Grau unseres unwirklichen Winters...